Schlaf ist wichtig fürs Gehirn

Ein Drittel unseres Lebens verbringen wir schlafend. Natürlich bringt Schlaf uns wieder Energie zurück und hebt unsere Stimmung. Aber was passiert eigentlich im Gehirn, wenn wir schlafen, und wie viel Schlaf ist gut für uns?

Klar, im Schlaf erholen wir uns. Das bedeutet aber nicht, dass unser Gehirn im Schlaf inaktiv ist, ganz im Gegenteil! Die Nervenzellen im Gehirn sind während des Schlafs fast genauso aktiv wie im Wachzustand. Der Unterschied ist nur: Im Schlaf kann sich das Gehirn ganz auf sich selbst konzentrieren. Es ist also wirklich nicht überraschend, dass der Schlaf für das Gehirn und für eine Reihe von kognitiven Funktionen überaus wichtig ist.

Vier Funktionen hat der Schlaf fürs Gehirn

Früher wusste man überhaupt nicht, wozu Schlaf dient, aber inzwischen kennt die Neurowissenschaft mindestens vier wichtige und ziemlich erstaunliche Aktivitäten, die das Gehirn während des Schlafs ausführt:

1. Während wir schlafen, verarbeitet das Gehirn Informationen und trifft Entscheidungen. Diese Entscheidungen können dann ausgeführt werden, sobald wir wach sind.

2. Das Gehirn erzeugt und festigt Erinnerungen. In bestimmten Phasen des Schlafs werden Eindrücke und Fakten, die tagsüber aufgenommen wurden, im Langzeitgedächtnis konsolidiert und mit bereits vorhandenen Erinnerungen verknüpft. Das ist äußerst wichtig für Lernen und Gedächtnis. Dazu gehören auch motorische Fähigkeiten, wie Fahrradfahren, Tennis Spielen oder Tanzen, die erst im Schlaf richtig gefestigt werden.

3. Der Schlaf kann auch ein mächtiger Kreativitäts-Booster sein. Während der Geist in einem unbewussten Ruhezustand ist, kann er überraschende neue Verbindungen knüpfen, auf die er im Wachzustand nie gekommen wäre.

4. Im Jahr 2013 ergab eine Reihe von Studien, dass das Gehirn den Schlaf auch für eine Art “Hausputz” nutzt. Es entfernt toxische Verbindungen, die von den tagsüber abgestorbenen Zellen stammen. Wir brauchen den Schlaf, so die Forscher, damit das Gehirn sich vom Zellabfall befreien kann. Wenn diese Abbauprodukte sich durch Schlafmangel anreichern, könnte das zu Schäden im Gehirn führen.

Wir sehen also, der Schlaf erfüllt wichtige Aufgaben im Gehirn. Ob Schlaf auch noch weitere Funktionen fürs Gehirn oder für andere Teile des Körpers hat, ist noch unbekannt, aber sehr wahrscheinlich. Hier wird die Forschung sicher noch einiges an den Tag bringen. Klar ist jetzt schon: Schlaf ist sehr wichtig, aber wie viel Schlaf brauchen wir? Gilt die Devise: je mehr Schlaf, umso besser oder gibt es eine optimale Schlafdauer?

Wieviel Schlaf braucht der Mensch?

“Im Schnitt braucht der Mensch etwa sieben Stunden Schlaf“, sagt Geert Mayer, Neurologe und Chefarzt der Hephata-Klinik in Schwalmstadt im Stern. “Es gibt aber genetisch bedingt Kurz- und Langschläfer. Manche Leute kommen mit fünf Stunden hin, andere brauchen neun Stunden. Das Problem: Heute wissen viele Leute gar nicht mehr, wie viel Schlaf sie brauchen. Das ist ähnlich wie beim Essen: Die Selbstwahrnehmung fehlt.”

Schlafmangel kann gefährlich sein

Wie viele Stunden Schlaf also optimal sind, muss jeder – in den oben genannten Grenzen – selbst herausfinden. Dauerhaft zu wenig Schlaf kann aber böse Folgen haben: Zu wenig Schlaf über Tage kann die Leistung des Gehirns senken. Langfristig könnte Schlafentzug auch die Entstehung von Demenz fördern, warnen Neurologen. Wer zu wenig schläft, riskiert auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und Diabetes. Der Stoffwechsel ändere sich, die Insulinsensibilität nehme ab, das Risiko für Diabetes Typ 2 steige, sagt Mayer: “Menschen mit Schlafstörungen haben ein höheres Krankheitsrisiko und sterben früher.”

Wie die Schlafposition unsere Hirnleistung beeinflußt

Ein gesunder Schlaf ist mindestens genauso wichtig für unser Gehirn wie die richtige Ernährung oder regelmäßiges Gehirnjogging. Im Schlaf nämlich entsorgt das Gehirn Giftstoffe, die andernfalls Krankheiten wie Alzheimer hervorrufen könnten. Etwas weiter gehen jetzt neueste Studien von Forschern der Stony Brook University, die herausgefunden haben, welche Schlafposition für die Entgiftung und Entsorgung zellulären Abfalls am besten geeignet ist. Bauch, Rücken oder Seitenlage?

Während du schliefst: Der Reinigungsprozess im Gehirn Schlaf ist nicht nur für die Regeneration unseres Körpers verantwortlich, auch in unserem Gehirn finden interessante Prozesse statt. Zum einen werden Informationen im Schlaf verarbeitet und zum anderen führt das Gehirn eine Reinigung während der nächtlichen Ruhepause durch. Wie untersucht wurde, weiten sich im Schlaf die Zell-Zwischenräume des Gehirns so, dass toxische Stoffe aus dem Gehirn geschwämmt werden können. Unsere Gehirnzellen sind somit auch im Schlaf sehr aktiv - sie filtern, räumen auf und entsorgen, was für uns schädlich ist und Krankheiten hervorrufen kann.

Welche Schlafposition ist die beste für unser Gehirn?

Doch welche Schlafposition ist für die Entsorgung unseres Hirnabfalls nun am besten geeignet? Auf dem Bauch, auf dem Rücken oder auf der Seite? Tatsächlich ist die Seitenlage von allen Schlafpositionen die idealste Position für die Reinigung unseres Gehirns, was Forscher mittels Kontrastmitteln und per MRT (Magnetresonanztherapie) kürzlich bewiesen haben. Tun Sie Ihrem Gehirn also etwas Gutes und nehmen Sie im Schlaf die Seitenlage ein, wenngleich bisher nicht festgestellt werden konnte, warum das Gehirn in dieser Position leichter kehren kann.