Zuviel Fett ist schlecht fürs Gedächtnis

Fett wird zu Unrecht häufig pauschal verteufelt. Denn Fette sind für den Aufbau und die Funktion des Gehirns dringend notwendig. Wenn wir aber von gehirngesunder Ernährung sprechen, dann ist die Art und Menge der Fette von ausschlaggebender Bedeutung. Erfahre hier, welchen Fette gesund und welche schädlich fürs Gehirn sind.

Die Beobachtung, dass fettreiche Ernährung die Gedächtnisleistung mindert, stammt aus einer Untersuchung, die das kanadische Baycrest-Zentrum für Altersforschung in Toronto an Ratten durchgeführt hat. Gordon Winocur und seine Kollegen stellten fest, dass fettreich gefütterte Ratten Lern- und Gedächtnisaufgaben weitaus schlechter meisterten als Ratten, die normale Kost erhalten hatten. Eine Injektion mit Traubenzucker konnte die Gedächtnisleistung der fettreich ernährten Nager hingegen wieder verbessern.

Tierische Fette sollte man meiden

Die wahrscheinliche Erklärung für dieses Phänomen: Das Gehirn braucht Traubenzucker (Glucose) als Energiequelle. Führt man dem Stoffwechsel große Mengen an gesättigten Fettsäuren zu, blockiert das die Glucose-Aufnahme im Gehirn. Das Fett hemmt vor allem den Hippocampus, eine Hirnregion, in der neue Erinnerungen abgespeichert und bei Bedarf wieder abgerufen werden. Gordon Winocur glaubt, dass sich die Ergebnisse der Studie auch auf den Menschen übertragen lassen. Bei sehr fettreicher Ernährung müsse man - zumindest solange die gesättigten Fettsäuren im Blut sind - mit einer verminderten Gedächtnisleistung rechnen.

Omega-3-Fettsäuren sind gut fürs Gedächtnis

Die oben beschriebenen Effekte gelten für gesättigte Fettsäuren, wie sie in tierischen Produkten, wie Butter, Schmalz, Fleisch und Wurst vorkommen. Anders sieht es für ungesättigte Fettsäuren aus, insbesondere für Omega-3-Fettsäuren, die zum Beispiel in fetten Fischen, pflanzlichen Ölen oder Nüssen vorkommen. Hier gibt es eine Reihe von Studien, welche die positiven Wirkungen von Omega-3-Fettsäuren auf Gehirn und Gedächtnis belegen.

Omega 3 Fettsäuren in Essen

Fette Fische sind reich an Omega-3

So zeigte eine Arbeit der Universität Pittsburgh, dass die regelmäßige Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren mit der Nahrung das Arbeitsgedächtnis von gesunden jungen Erwachsenen signifikant verbessert. Die Versuchsteilnehmer, zwischen 18 und 25 Jahre alt, nahmen 6 Monate lang regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren. Vor und nach dieser Periode wurde das Arbeitsgedächtnis getestet und das Gehirn mit bildgebenden Verfahren untersucht. Tatsächlich konnte man nach den sechs Monaten Omega-3-Einnahme eine signifikante Verbesserung des Arbeitsgedächtnisses messen. "Bevor ich diese Daten gesehen habe, hätte ich behauptet, es sei unmöglich, die kognitiven Leistungen von jungen, gesunden Erwachsenen überhaupt zu steigern," sagt Bita Moghaddam, Projektleiterin und Professorin für Neuroscience. "Wir aber fanden, dass unsere Probanden ihr Arbeitsgedächtnis noch weiter verbessern konnten, obwohl sie schon vorher kognitiv vollkommen auf der Höhe waren.”

"Es ist wirklich interessant, dass eine Omega-3-reiche Nahrungsergänzung die Kognition von völlig gesunden jungen Menschen so steigern kann,” sagt einer der beteiligten Wissenschaftler. “Leider ist es etwas enttäuschend, dass wir trotz unserer Untersuchung mit bildgebenden Verfahren nicht herausfinden konnten, auf welchen Mechanismen dieser Effekt beruht.”

Auch für Gedächtnis und Gehirn scheint also - genau wie für Herz und Kreislauf - die Art des Fetts von entscheidender Bedeutung zu sein: Gesättigte Fettsäuren sind schlecht, ungesättigte - vor allem Omega-3-Fettsäuren - sind gesund. Da wir aber normalerweise deutlich zu viel tierische Fette aufnehmen, ist es sicherlich günstig, Omega-3-Fettsäuren zusätzlich zuzuführen.