Wo im Gehirn sitzt die Intelligenz des Menschen?

Wo im Gehirn liegt die Intelligenz? Was ist die Ursache dafür, dass manche Menschen intelligenter sind als andere? Gibt es eine Gehirnregion für Genialität? Solche Fragen beschäftigen die Wissenschaftler schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Doch erst in den letzten Jahren ist es gelungen, die Intelligenz im Gehirn zu lokalisieren.

Im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert versuchte man mit anatomischen Methoden die Ursachen von Intelligenz im Gehirn zu finden. So hat man zum Beispiel 1955 das Gehirn des Albert Einstein zuerst fotografiert und dann in 240 Würfel zerschnitten und versucht Auffälligkeiten zu finden, die dieses geniale Gehirn vom Durchschnittsgehirn unterscheiden. Nach vielen solcher Untersuchungen machte man unter anderem die Gehirngröße, die Anzahl und Form der Windungen oder das Verhältnis von grauer und weißer Substanz im Gehirn für Unterschiede in der Intelligenz verantwortlich. All das führte nicht wirklich zu einem eindeutigen Ergebnis. Erst in den letzten Jahren konnte man durch bildgebende Verfahren (Neuro-Imaging-Techniken) einerseits und Untersuchungen an Patienten mit partiell geschädigten Gehirnen andererseits die Frage schlüssig beantworten, wo im Gehirn die Intelligenz liegt.

Netzwerk der Intelligenz

2007 fanden Richard Haier von der University of California und Rex Jung von der University of New Mexiko, dass Intelligenz weder das gesamte Gehirn benötigt noch eine einzelne Gehirnregion, sondern dass mehrere unterschiedliche Gehirnregionen und deren Verbindung untereinander für die Ausprägung von Intelligenz verantwortlich sind. Da diese Hirnregionen hauptsächlich im Parietallappen (das ist der Großhirnbereich am Hinterkopf, oben) und im Frontallappen (der Großhirnbereich unter der Stirn) lokalisiert sind, ist das Modell heute als die Parieto-Frontale Integrationstheorie (P-FIT) bekannt. Intelligenz hängt von effizienter Kommunikation ab.

Die P-FIT erklärt also wo unsere Intelligenz sitzt, aber warum ist der eine intelligenter als der andere? Hier scheint sowohl die Ausprägung der Einzelteile, aber vor allem die Verbindung zwischen den einzelnen Teilen des P-FIT ausschlaggebend zu sein. Die Geschwindigkeit der Signalübertragung in diesem Netzwerk macht offenbar den Unterschied aus zwischen hoher oder niedrigerer Intelligenz: "Mehrere Untersuchungen haben die Geschwindigkeit der Nervenübertragung gemessen und finden eine Korrelation mit den Ergebnissen von IQ-Tests," sagt Haier, "EEG-Ableitungen zeigen, bei schlaueren Menschen ist die Leitungsgeschwindigkeit höher."

Die Theorie von Haier und Jung wurde inzwischen durch viele weitere Studien bestätigt und liefert einen direkten Hinweis auf die neurobiologische Grundlagen von Intelligenz. Vielleicht könnte das eines Tages dazu beitragen, neue Wege zu finden, die Intelligenz zu fördern oder das Denkvermögen gezielt zu trainieren.

Quelle:

Jung, RE, Haier, RJ: The Parieto-Frontal Integration Theory (P-FIT) of intelligence: converging neuroimaging evidence, The Behavioral and Brain Sciences 2007 30(2), S.135-54