Leander Govinda Greitemann ist nicht nur Speaker und Coach für Lebensphilosophie, sondern ist mittlerweile auch als Autor durch sein erstes Buch “Unfog your mind” bekannt. Leander ist davon überzeugt, dass alle Probleme kopfgemacht sind und wir genau dort anfangen sollten, unsere Welt zu retten.

Einige unserer Leser kennen dich bereits von deinem Vortrag beim kostenlosen Online Event, dem NO STRESS FESTIVAL von BRAINEFFECT, das vor ein paar Wochen zum ersten mal stattgefunden hat. Würdest du dich nochmal kurz vorstellen für alle, die dich bisher noch nicht kennen?

Mein Name ist tatsächlich Leander Govinda (klassischer Fall von kreativen Eltern ;) ), ich bin 34, neben meinem Dasein als Lebensphilosoph (Autor, Speaker, Trainer, Coach) bin ich Semiprofessioneller Freestyle Snowboarder und Musikbegeisterter. Schon seit meiner Jugend faszinieren mich lebensphilosophische Fragen rund um die Fragestellung: wie können wir ein glückliches Leben führen und uns selbst und anderen Lebewesen auf dieser Welt weniger Leid zufügen?

HAST DU EIN LIEBLINGSZITAT, AN WELCHES DU OFT DENKST? 

„Ich würden Ihnen raten nicht so viel nach dem Warum und Weshalb zu fragen, sondern Ihr Eis zu essen, ehe es schmilzt“ Thornton Wilder.

IN DEINER FREIZEIT BIST DU LEIDENSCHAFTLICHER SNOWBOARDER. WAS HAST DU DURCH DEINEN SPORT GELERNT UND WIE BRINGST DU DEIN HOBBY IM ALLTAG UNTER?

Beim Freestyle-Snowboarding rutsche ich viel auf Metallgeländern oder springe über große Schanzen. Wenn ich mich in Sorgen, Erinnerungen oder sonstigen Gedanken verliere, sind Stürze und Verletzungen vorprogrammiert. Wenn ich präsent bin, bei dem was ich jetzt tue, fahre ich am besten und kann es auch am meisten genießen. Das können wir 1 zu 1 auf das Leben übertragen.

Aber beim Snowboarden ist das Feedback direkter, daher ist es ein guter Lehrer fürs Leben. Snowboarding hat viele Jahre einen ähnlichen Raum eingenommen wie andere Jobs. Dabei habe ich aber wieder viel gelernt und an Haltung gewonnen für meine Vorträge. Ich springe zum Beispiel gerne mal auf einen Tisch, um einen Vortrag eindrucksvoll zu starten. Ohne mein exzessives Snowboarding wäre mir das in der Leichtigkeit nicht möglich (hier ein Videobeweis). 

Daher nehme ich mir aktiv immer viel Raum auch für Dinge, die auf den ersten Blick nichts mit meiner Arbeit zu tun haben. Wenn es am Ende nicht zu einer Einlage in meinem Vortrag wird, ist es auch egal, da die Zeit an sich wertvoll war.

BRAINEFFECT HACK: Was macht Menschen aus, die besonders glücklich sind? Wie können wir mehr Zufriedenheit in unser Leben bringen? Diese Fragen beantwörtet die Psychologin Muriel Böttger in unserer neuen Podcast Episode "POSITIVE PSYCHOLOGIE: VERSUCH’S MAL MIT ZUFRIEDENHEIT".Denn im Gegensatz zur “Standard-” Psychologie, welche sich zu einem gewissen Zeitpunkt nur mit Defiziten beschäftigt und damit, Menschen aus eben diesen Defiziten herauszuholen, besteht die Positive Psychologie hauptsächlich aus der Wissenschaft des guten Lebens. 

ERZÄHLE UNS ETWAS ÜBER DEINEN ALLTAG. WAS AN DEINER ARBEIT MACHT DICH GLÜCKLICH UND WO LIEGEN DIE SCHWIERIGKEITEN IN DEINEM JOB?

Ich würde ja sagen, es sind nicht die Dinge, die uns glücklich machen, sondern unsere Perspektive auf die Dinge. Und die können wir stets hinterfragen. Ein Job oder auch nur ein Aspekt von einem Job macht dich vielleicht glücklich und andere können genau diesen Teil wahnsinnig stressig finden. Daher versuche ich über meine Haltung natürlich alle Aspekte meines Tuns mit Präsenz und Leidenschaft zu füllen.

Aber besonders leicht fällt mir das, wenn ich sehe, höre oder fühle, dass ich mit meiner Arbeit für andere Menschen einen echten Unterschied machen kann. Mich haben viele Feedbacks zu meinem Buch sehr gefreut, aber als ich gehört habe, dass in einem Jugendheim ganz viele Jugendliche mein Buch weitergereicht haben und darüber im tiefen Austausch mit den Pädagog:innen über die Themen gegangen sind und mir sogar ein Mädchen geschrieben hat, dass ich mit meinem Buch einen echten Unterschied in ihrem nicht immer leichten Leben machen konnte, hat mich das schon sehr tief im Herzen berührt.

Schwierigkeiten bekomme ich immer dann, wenn ich ein paarmal zu wenig „nein“ sage und mir den Terminkalender besseren Wissens doch zu voll gepackt habe. Dann bleibt nicht so viel Raum für Kreativität, Bücher lesen und Bewegung an der frischen Luft.

WAS MACHST DU, WENN DU DAS GEFÜHL BEKOMMST DASS DIR ALLES ZU VIEL WIRD? 

Wie gerade schon gesagt, versuche ich durch einen achtsamen Umgang mit meiner Zeit und Energie und „Nein-sagen“ es nicht so oft dazu kommen zu lassen, dass es mir zu viel wird. Wenn es dann doch einmal passiert, schaue ich sehr gut hin, was ich WIRKLICH machen muss und was warten kann, oder wo ich einfach nur um Hilfe oder um Aufschub bitten muss und räume mir den Terminkalender wieder frei.

Auch wenn das bedeutet, dass ich mich verletzlich zeigen muss und es vlt. etwas Anlauf für das Telefonat oder die E-Mail braucht. Außerdem schaue ich mir die Glaubenssätze an, die dafür sorgen, dass es mir zu viel wird. Weil auch das ist natürlich wieder eine Frage der Perspektive.

Gedanken wie: ich muss das perfekt machen, ich bekomme das niemals alles hin, ich kann das nicht absagen, ich kann das generell nicht usw. führen oft erst dazu, dass ich das Gefühl habe, dass es zu viel wird. Also stelle ich diese Gedanken auf den Kopf und frage mich: ist das Gegenteil nicht auch wahr oder manchmal sogar noch wahrer als der Ursprungssatz?

Je öfter wir das tun, desto leichter fällt uns dieser Perspektivenwechsel. Dann können wir den ursprünglichen Satz in seiner Intensität loslassen und einfach weiter an dem arbeiten, was es zu tun gibt. Atemübungen, genügend Pausen, Meditationen und Bewegung nutze ich auch manchmal als Instant-Hacks.

MUSS MAN DEINER ANSICHT NACH IMMER AUCH DIE POSITIVE SEITE AN EINER KRISE SEHEN?

Ich denke, dass man beinah alles im Leben immer aus verschiedenen Perspektiven betrachten kann. Man muss es nicht erzwingen, wenn es einem (noch) nicht gelingt. Aber in der aktuellen Krise hoffe ich, dass wir als Menschheit einiges gelernt haben und auch in unseren Köpfen behalten.

Wir haben gesehen, wie die Erde aufatmet, wenn weniger Flieger unterwegs sind, uns sind die Effekte unserer ausbeuterischen Verhaltensweisen gegenüber Tieren deutlicher vor Augen geführt worden (Zoonosen, wie Corona werden durch unsere Tierhaltung begünstigt, die Lebensbedingungen in der Massentierhaltung sind nicht nur für die Tiere, sondern auch für die Arbeiter katastrophal usw.).

Außerdem gehen die Menschen wieder mehr Spazieren und lernen die Kunst des Dialogs wieder kennen, die schon die alten griechischen Philosophen kannten. Das ist auch ein Gewinn!

WAS BEDEUTEN LEBENSLUST UND LEICHTSINN FÜR DICH IM ALLTAG? 

Lebenslust steht für mich für die Neugierde am Leben. Mit Entdeckerfreude in den Tag zu schauen und sich von möglichen Unwägbarkeiten nicht zu sehr irritieren zu lassen.

LeichtSinn erinnert mich daran, nicht zu verkrampft irgendwelchen Zielen hinterher zu laufen und daran, dass nicht alles, was ich tue einen tiefen Sinn haben oder auf irgendetwas einzahlen muss.

HAST DU RITUALE ODER ROUTINEN? WENN JA, WELCHE BENEFITS BRNIGEN SIE DIR PERSÖNLICH?

Durch Experimentieren habe ich für mich festgestellt, dass es mir gut tut als allererstes JEDEN Tag ein bisschen Yoga zu machen. Danach mache ich noch eine paar Atemübungen mit der Wim-Hof Methode im Zentrum. Das ist auch verbunden mit meditativen Elementen und dauert in Summe ca. 40 Minuten.

Abends schaue ich die letzten Stunden vorm Schlafengehen nicht mehr auf Social Media oder E-Mails, damit mein System runterfahren kann. Direkt vorm Schlafen mache ich meist nochmal 15 Minuten Meditation oder Atemübungen und lese im Bett 30-60 Minuten in einem Roman.

AUF WELCHE FRAGE HATTEST DU IN LETZTER ZEIT KEINE ANTWORT UND HAST DU SIE FINDEN KÖNNEN?

Wie argumentiere ich mit Menschen, die ein völlig andere Wahrnehmung von den Abläufen dieser Welt haben als ich? Kann man überhaupt argumentieren, wenn man sich nur auf sehr wenig gemeinsame Dinge einigen kann, wenn man völlig verschiedenen Quellen traut?

Aktueller Zwischenstand dieses Forschungsprojekts:  für mich persönlich funktioniert es am Besten, irgendwann gemeinsam zu beschließen, dass man sich einfach nicht einig wird und dann über Themen zu sprechen, bei denen man zumindest eine geteilte Grundlage hat.

WAS SIND DEINE DREI ULTIMATIVEN TIPPS GEGEN STRESS?

Erstens: Ein Zitat aus meinem Buch: „Gedanken wahrnehmen, aber nicht für wahr nehmen.“, die stressigen Gedanken nicht überspielen oder verdrängen, aber sich auch nicht von ihnen vereinnahmen lassen. Da hilft auch mal der oben beschriebene Perspektivenwechsel.

Zweitens: Pausen mit Atmung, Meditation und Bewegung einplanen.

Drittens: Nicht gegen den Stress ankämpfen und in den Widerstand gehen. Es erzeugt nur noch mehr Stress, wenn zu den normalen stressigen Gedanken noch der Gedanke dazu kommt: „Du darfst nicht gestresst sein!“. Anerkennen, dass da jetzt gerade Stress im System ist und es im Körper lokalisieren und nicht zu hart mit dir sein.

Die Hypothese: der Stress wird schneller wieder vorbeiziehen – wie eine Wolke am Himmel – als wenn du verkrampft dagegen ankämpfst. Probiert es mal aus und schreibt mir, wie es für euch geklappt hat :).

WAS BEDEUTET DER DURCH DIE CORONA PANDEMIE BEDINGTE LOCKDOWN FÜR DICH PERSÖNLICH UND DENKST DU, DASS WIR DARAUS AUCH ETWAS LERNEN KÖNNEN?

Ehrlich gesagt, genieße ich es total, nicht so viel in der Weltgeschichte herum zu tingeln, mehr Zeit für gute Bücher, Entspannung und Musik zu haben. Ich habe ein komplett neues Musikinstrument (die Handpan) spielen gelernt und jetzt schon angefangen in meine (bisher Online-) Workshops zu integrieren.

Ich hoffe außerdem, dass ein paar meiner Jobs auch „nach der Pandemie“ (falls es sowas gibt) weiter online bleiben. Ich muss sagen, ich genieße meine Vorträge aus dem Wohnzimmer auch sehr. Natürlich freue ich mich auch wieder auf die Energie im Raum, wenn ich mit ein paar hundert Menschen im Kontakt bin.

WAS KÖNNEN UNSERE LESER AKTUELL FÜR IHRE MENTALE GESUNDHEIT TUN? 

Das hängt ganz davon ab, was die Probleme sind. Gegen die Langeweile und das Gefühl darüber verrückt zu werden, lohnt es sich, neue Dinge zu versuchen, sich hin und wieder mal zu fordern und Bewegung (ob mit Yoga- oder Fitnessvideos oder an der frischen Luft).

Außerdem kann man sich auch mit Freunden und Familie via Telefon oder Videokonferenz zu Deeptalks vereinbaren, wo man gute Fragen vorbereitet und sich über die wichtigen Themen des eigenen Lebens austauscht. Daraus entsteht vertiefte Soziale Nähe in Zeiten von Social Distancing

Bei Angst und Unsicherheit empfehle ich vor allem das Meditieren zu kultivieren, den jetzigen Augenblick wieder mehr schätzen zu lernen und sich zu fragen: was ist JETZT gerade wirklich nicht in Ordnung und was ist nur eine Hochrechnung ist, wo ich sowieso nicht weiß, wie es kommen wird.

EURE FAVORITEN