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Du magst Dich sicherlich fragen, warum der Begriff „Wiederholen“ nicht als ein Faktor im beschriebenen Diagramm zur Leistungsverbesserung des Gedächtnisses von mir aufgeführt worden ist. Dies hat einen Grund: Denn wenn man die erwähnten 7 Faktoren beim Einprägen von Informationen beachtet und einsetzt, verliert der Vorgang des Wiederholens tatsächlich an Bedeutung.
Als Beweis hierfür memoriere ich oder meine Partnerin in unseren Vorträgen und Seminaren in der Regel eine 50-stellige Zahl in kürzester Zeit. Das läuft dann so ab: Die die Teilnehmer rufen uns 25 zweistellige Zahlen, wie z.B. 19 oder 61, zu, einer von uns prägt sie sich dann nach nur einmaligem Hören ein und gibt sie fehlerfrei aus dem Gedächtnis wieder. Wenn man dies mal selber probiert, weiß man wir schier unmöglich diese (allerdings für uns recht simple) Gedächtnisaufgabe erscheint. Die meisten werden nach 5 oder 7 Ziffern schon aufgeben; für 50 Ziffern bräuchten die meisten von Euch sicherlich mindestens 1/2 Stunde Lernzeit bei x-fachem Wiederholen der 50-stelligen Zahl, um sie ohne einen einzigen Fehler wiedergeben zu können!
Eine weitere kleine Aufgabe soll verdeutlichen, dass reines stupides Wiederholen ohnehin für das Lernen eigentlich nutzlos ist (und doch machen dies Millionen von Schülern täglich!!).
Jeder von uns hat in seinem Leben wahrscheinlich schon viele hundertmal oder gar tausendmal ein Tastaturtelefon benutzt sowie unzählige Male einen Taschenrechner. Versuche nun (ohne zu Spicken) auf einem Blatt Papier aufzuschreiben, wie die Ziffern und wichtigen Zusatzzeichen auf dem Tastenfeld eines Telefons sowie eines Taschenrechners angeordnet sind. Erstellt also zwei solcher ausgefüllten Tastenfelder (kleine Hilfestellung: das Tastenfeld besteht in der Regel aus 3 Spalten und 4 Zeilen).
Gar nicht so leicht, oder? Um Deine Treffer-Quote zu bestimmen, greifen einfach zu einem Taschenrechner und Telefon (die Geräte haben fast immer die gleiche Tastaturanordnung mit wenigen Ausnahmen bezüglich der Sonderzeichen). Ich vermute, Dir ging es wie den 300 Studenten der Universität Dresden, die Prof. Rinck Jahr 1999 mit dieser Aufgabe testete. Nur 50 % der Studenten konnten die Telefontastatur korrekt wiedergeben; und gar nur 20 % kannten die Tastaturanordnung des Taschenrechners vollständig! (offensichtlich sind Telefone bei Studenten beliebter als Taschenrechner ).
Warum fällt uns diese Aufgabe so schwer, obgleich wir nach tausendfacher Wiederholung doch erwarten dürften, auch abrufbares Wissen darüber zu haben? Die Antwort ist nicht schwer: Wenn Wiederholung gänzlich unbewusst geschieht und nicht gleichzeitig eine geistige Verarbeitung bzw. Prozessierung des Lernmaterials von statten geht, ist jede Sekunde des (akademischen) Lernens verschwendet. Wenn jedoch bei der ersten Aufnahme des Materials die mentale Prozessierung bewusst und so intensiv ist, wie wir es durch z.B. Transformation, Assoziierung, den Einsatz von Fantasie (und Kreativität) und Visualisierung erreichen, ist das Lernen durch ständige Wiederholung kaum erforderlich. Lediglich für eine extrem langzeitige und dauerhafte Abspeicherung – und dies ist natürlich nicht unbedeutend – ist ein Wiederholen des Lernmaterials in ganz bestimmten zeitlichen Abständen (später mehr dazu) notwendig.
Fazit: Akademisches Lernen wird stark gefördert durch die bewusste Aufnahme von Lernmaterial unter Nutzung der Verarbeitungsfähigkeiten unseres Gehirns. Wenn man dabei die 7 mentalen Faktoren einsetzt läuft das Lernen sehr schnell und intensiv ab; und nur für eine langfristige Abspeicherung (über Wochen und Monate) ist der Lernfaktor „Wiederholung“ wichtig.
Übrigens kann man diesen Lernfaktor „Wiederholung“ kaum umgehen. Denn dieser ist quasi das Hauptsignal für unser Gedächtnis, dass die betreffende Information für den Organismus tatsächlich bedeutsam ist und nicht vergessen werden sollte. Im Grunde eine tolle Idee der Evolution, denn meistens ist nur das für den Organismus wichtig, mit dem er immer wieder im Leben konfrontiert wird.
Nur für uns Menschen ist dieser (intelligente) Mechanismus der Natur häufig ein vermaledeites Ärgernis.
Dieser Text lehnt sich an Dr. Karsten´s erstes Buch „Erfolgsgedächtnis“ (und an sein aktuelles Bestseller-Lernbuch „Lernen wie ein Weltmeister“) an. Beide Bücher sind im Goldmann-Verlag erschienen und kosten 8,95 Euro bzw. 12,95 Euro (Hardcover, Lernen wie ein Weltmeister)
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