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Beim ADS gibt es keinen übersteigerten Bewegungsdrang. Deshalb werden ADS Kinder auch als sehr zurückgezogen, als Träumer oder Hans-guck-in-die-Luft empfunden. Sie sind häufig mit ihren Gedanken woanders, starren Löcher in die Luft oder schauen zum Fenster hinaus. Allerdings fallen sie auch nicht so unangenehm auf, wie die Kinder mit ADHS. Bei diesen stören der Bewegungsdrang, das ständige Quasseln, das nicht einordnen können in Gruppen sowie die Ordnung und die teilweise überzogenen Reaktionen.
Wutausbrüche sind beim ADS Kind nicht so häufig und wenn, dann nicht so ausgeprägt. Zwar kann auch dieses Kind sich nur schwer steuern, allerdings zieht es sich dann eben eher zurück und wird dadurch zum Außenseiter. Oder sein von Haus aus introvertiertes Verhalten macht es dem ADS Kind schwer, Freundschaften zu knüpfen. Eine Lese-Rechtschreibschwäche (Legasthenie) und/oder eine Rechenschwäche (Dyskalkulie) können begleitend auftreten, aber auch eine über der Norm liegende Intelligenz ist möglich.
Wenn das Kind im Schulalter ist und ADS diagnostiziert wurde, kommen einige Kinder ohne Arzneimittel aus; bei anderen helfen sie, den Tagesablauf in den Griff zu bekommen. Viele Eltern von ADS und auch ADHS Kindern berichten, die Konzentrationsfähigkeit ihres Kindes hätte sich unter Tabletten verbessert. Diese erhöhen die Aufmerksamkeitsspanne bzw. gleichen die Schwankungen aus, welche sich bei ADS Kindern im Tagesprofil immer wieder auftreten. Die meisten Kinder verbessern sich in der Schule. Die Eltern sagen weiter, ihre Kinder wären jetzt ordentlicher und es falle ihnen leichter, die Aufgaben in einer bestimmten Reihenfolge zu erledigen. Auch würden sie nicht mehr so viele Dinge vergessen sowie 10 Dinge gleichzeitig anfangen, aber nicht beenden.
Das ist zwar richtig, denn richtig eingestellt können Tabletten dem Kind durchaus helfen, allerdings sollte man sich auch immer vor Augen führen: Es sind Psychopharmaka, die zum Teil auch immense Nebenwirkungen haben. Auch wenn das Kind Teil- oder Höherbegabungen viel leichter nutzen kann – Medikamente sollte man wirklich nur geben, wenn alle anderen Möglichkeiten versagen.
ADS Kinder können Informationen nur teilweise verarbeiten, weil sie an einer Störung der Botenstoffe im Gehirn leiden. Neuesten Forschungsergebnissen zufolge sind die Botenstoffe Serotonin, Dopamin und Noradrenalin im Ungleichgewicht. Diese sind zuständig dafür, dass eine Information zwischen innerhalb einzelner Hirnbereiche mithilfe der Nervenzellen weitergegeben wird. Bei einer Störung ist diese Weitergabe unterbrochen. Medikamente zielen darauf ab, ein Gleichgewicht herzustellen.
Genau wie bei ADHS werden auch bei ADS Kindern die Medikamente Ritalin, Ritalin SR, Concerta, Medikinet, Equasym und Strattera eingesetzt. Die ersten haben als Wirkstoff Methylphenidat, ein amphetaminähnliches Phsychostimulanz. Bei Strattera (Antidepressivum) wirkt Atomexetin als Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer mit einem völlig anderen Wirkungsmechanismus. Wer alternativmedizinische Behandlungen ergänzen möchte, sollte mit einem Homöopathen sprechen.
Generell ist die medikamentöse Therapie umstritten. Sie sollte nur bei zweifelsfrei feststehender Diagnose, im Schulalter und in schweren Fällen eingesetzt werden. Werden schulische Leistungen und das Zusammenleben im häuslichen Umfeld stark beeinträchtigt, leiden die Kinder (und ihre Eltern) sehr unter der Krankheit, dann können Medikamente eine Hilfe sein und Betroffenen sowie dem Umfeld den Alltag erleichtern. Langzeittests stehen noch aus, die Nebenwirkungen bisher sind leider nicht ohne. Man sollte auch beachten, dass beim Absetzen der Medikamente die Symptome wieder auftreten. Die Arznei beseitigt die Wirkungen, nicht jedoch die Ursachen.
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- Dr. Gunther Karsten, Gedächtnis-Weltmeister und Biochemiker
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